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Von schwarzen Zelten und Teheraner Fashionistas

Noch 10 Minuten bis zur Landung in Teheran. Der gerade gelesene Artikel in der Neon- Zeitschrift über drakonische Strafen für Frauen, die die Kleiderordnung im Iran nicht eingehalten haben, liegt mir mehr als schwer im Magen. Ich schaue mich um, suche in den Gesichtern der Leidensgenossinnen ähnlichen Unruhen – vergeblich. Man blättert, plaudert, zieht Lippenstift nach, schaut aus dem Fenster, aufs Handy. Um die Hälse baumelt oder wickelt sich ein Schal, sowie bei mir.

Die Anschnallzeichen erlöschen, die Damen schwingen souverän und locker den Schal als Kopftuch über sich, das eine oder beide Enden werden noch über die Schulter nach hinten geworfen und das Flugzeug verlassen. Ich stolpere hinterher. Mein Kopftuch fühlt sich bei weitem nicht so grazil an, wie ich es bei den anderen heimlich bewundere und meine ganze Konzentration liegt auf dem Gefühl auf meinen Haaren, spüre ich da gerade etwa wie das Tuch runter rutscht? Würde man mich denn drauf hinweisen oder gleich mitnehmen?

Unser Tipp: Wenn du dich für eine Reise in den Iran interessiert, schau dir mal unsere Gruppenreisen und Individualreisen an.

Es dauert einige Tage, viele Beobachtungen und Gespräche, bis ich ein Gefühl dafür bekomme, was die Kleiderordnung ist, was noch erlaubt ist, was daraus gemacht wird und wie die Iranerinnen selbst konstant an der Ordnung zerren und sie in verschiedene Richtungen ausweiten und einschränken.

Zunächst einmal: es gibt Regeln und die wollen eingehalten werden. Als Touristin fürchtet man keine schlimmen Strafen, aber aus Respekt gegenüber dem Land, den anderen Frauen und der gelebten Religion sollten diese Regeln beachtet werden.
Das auswärtige Amt konkretisiert dazu: Es müssen Arme und Beine bis zu Knöcheln bzw. Handgelenken bedeckt sein. Ein Mantel muss mindestens knielang sein und soll die weiblichen Körperformen verhüllen. Haare und Nacken müssen durch ein Kopftuch bedeckt sein.

Packliste

• lange Hosen,
• Mantel oder Kleider mit langen Ärmeln
• einen Schal, der groß genug ist, um den ganzen Kopf zu bedecken,
• Haargummis,
• wenn ihr wollt: Sandalen und Flip Flops sind erlaubt

Was die Iranerinnen daraus machen, ist bunter, schwärzer, vielfältiger, als man erwartet. Von sehr liberal interpretierter Kleiderordnung bis Vollverschleierung ist alles möglich.

Eine Frau hat ihr riesiges schwarzes Kopftuch unter den Augenbrauen angelegt und um ihren ganzen Körper geschwungen. Die Hände krallen und raffen den Stoff kurz unter ihrer Nase wieder zusammen. So guckt aus dem schwarzen Zelt nur eine Nase raus, die sich offensichtlich riechend den Weg durch das Getümmel der Stadt sucht.
Daneben stöckelt eine Teheraner Fashionista den Bürgersteig entlang. Der obere Rand des Kopftuchs hat sich zum tief sitzenden Pferdeschwanz gesellt, ihre Lippen sind dunkelrot und die Augen dramatisch geschminkt.

Modern gekleidete Iranerinnen
Frauen in schwarze Tücher gehüllt im Iran

Man sagt, dass in Teheran das Kopftuch jedes Jahr einen Zentimeter tiefer rutscht. Doch nicht nur oben wird der Grenze der Kampf angesagt, auch am unteren Ende kämpfen die Iranerinnen für mehr Freiheit. So lugt immer häufiger auch ein Zopf unter dem Kopftuch hervor.

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Lange Haare einer Frau schauen unter einem Kopftuch hervor
Ein geflochtener Zopf schaut unter einem Kopftuch hervor

Die Art, wie die Iranerinnen teils stolz, teils trotzig ihr Tuch tragen ist ansteckend und die zahlreichen Tragemöglichkeiten und bunten Farben, inspirierend.

Ein dumpfes Gefühl von Unterdrückung und Einschränkung schwingt noch leise mit, aber ich erwische mich schon bald dabei, dass ich auf dem Basar in Esfahan mit der Hand über die weichen Stoffe der Tücher fahre. Eingetaucht in ein Paradies aus farbigen und gemusterten Stoffen, tausche ich schließlich meinen schnöden schwarzen Schal gegen ein blau- gelb gemustertes Exemplar und verlasse den Laden erhobenen Hauptes.

 

Stoffbahnen hängen nebeneinander und sieht übereinander gestapelt

Text: Lea

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