Hier liegt ein wahrhaft großer Herrscher

  • altpersisch Kūruš
  • neu-persisch‭ ‬کوروش‭ ‬بزرگ‭ ‬(Kurosch-e Bozorg)
  • babylonisch Kuraš
  • elamisch Kuraš
  • aramäisch Kureš
  • hebräisch כורש Koreš
  • lateinisch Cyrus

Er verbindet Völker

Kyros II. regierte Persien von 559 v. Chr. bis 530 v. Chr. als sechster König der Achämeniden-Dynastie. Seine Bedeutung für den Iran ist nicht hoch genug einzuschätzen. Er gibt den unterschiedlichsten Gruppierungen eine verbindende Identität und wird bis heute im hohen Maße verklärt. Doch wie kam es dazu?

Kyros II. war der Gründer des persischen Großreichs der Achämeniden. Er wurde 559 v. Chr. König von Anschan, eine Stadt in der Region Persis. Über Persis übten die Meder seit etwa hundert Jahren eine Hegemonie aus. Kyros II. gelang es um 550 v. Chr., diese Oberherrschaft durch den Sturz des Mederkönigs Astyages abzuschütteln. In den nachfolgenden Jahren eroberte Kyros II. das gesamte Mederreich und schuf damit die Grundlagen des persischen Großreiches. Er weitete durch seine Expansionspolitik die Grenzen des ehemals in nur kleinem Umfang bestehenden altpersischen Reichs deutlich aus, das unter seinen Nachfolgern von Indien über Iran, Babylon, Kleinasien bis Ägypten reichte und bis 330 v. Chr. bestand, ehe es von Alexander dem Großen erobert wurde.

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Der ideale König

Somit lässt sich Kyros II. von seiner Bedeutung her als der erste König eines Groß-Persiens bezeichnen. Schon bald nach seinem Tod wurde er von seinem Volk als idealer König legendenhaft verklärt. Der neunte und nach Kyros II. bedeutendste König der Achämeniden-Dynastie Dareios I. (Gründer von Persepolis) kam nicht umhin, zwecks Legitimation der Herrschaftsnachfolge die Königslinie im Nachhinein zu verändern. Er war kein Nachfahre von Kyros II., der gar kein Achämenid, sondern Teispid war. Die Teispiden waren ein persisches Adelsgeschlecht, dessen Königslinie durch Dareios I. in die Achämeniden überging. Bis heute haben sich zahlreiche weitere Könige und Herrscher Persiens als unmittelbare Nachfahren von Kyros II. bezeichnet. Dies scheint äußerst wichtig zu sein. Gründe dafür liegen wie aufgeführt sicherlich am militärischen Erfolg und an der Vorstellung vom Gründer des Perserreichs. Aber es gibt eine weitere, vielleicht die signifikanteste Erklärung.

Ein toleranter Herrscher

Kyros II. wurde von vielen Geschichtsschreibern als toleranter Herrscher bezeichnet. Bisher waren Kriegszüge mit Massakern, Deportationen und Plünderungen verbunden. Kyros II. ging hier neue Wege und gestattete den besiegten Völkern ein gewisses Maß an Identität. Dies gipfelte in der Befreiung des jüdischen Volkes aus dem babylonischen Exil (siehe Zitat unten). Fremdes musste also nicht mehr zerstört werden, da es keine Bedrohung, sondern eine Bereicherung darstellte. Ob es sich bei Kyros II. dabei um Toleranz aus innerer Überzeugung oder aus Einsicht handelte, sei dahingestellt, aber es lässt sich daran die Selbstsicherheit dieser faszinierenden Persönlichkeit erkennen. Noch über 200 Jahre später brachte selbst Alexander der Große nach der Zerstörung von Persepolis seine Verehrung (er soll lange geweint haben) vor dem Grabmal dieses persischen Königs in Pasargadae zum Ausdruck.

Ein unberührtes Grab?

Das Grabmal wird im 4. Jh. von Aristobulos folgendermaßen beschrieben: »Danach befand sich der rechteckige Grabbau in einem großen Garten, war an der Basis aus massiven Steinquadern errichtet und hatte darüber eine Grabkammer mit engem Eingang. In ihr befanden sich ein Tisch mit Gläsern, ein Goldsarkophag, in dem einst der Leichnam des Kyros bestattet worden war, eine Bahre sowie prächtige Kleider und Schmuckstücke. In der Nähe beim Aufstieg zum Grab stand eine Hütte für dessen Bewacher, die Mager. Eine persische Inschrift zierte das Grab: ›O Mensch, ich bin Kyros, der die Herrschaft der Perser begründete, Asiens König! Neide mir nicht dieses Denkmal!‹ Nach dem ersten Besuch des Aristobulos wurde das Grab beraubt, danach ließ er es wiederherstellen und zumauern.« In diesem Zustand befindet sich das Grab tatsächlich bis heute, es wurde nicht mehr zerstörerisch berührt. Auch dies spricht für das durchgehend hohe Ansehen von Kyros II.

Kyros und Gott

»Aber im ersten Jahr des Kyrus, des Königs von Persien, erweckte der HERR – damit erfüllt würde das Wort des HERRN durch den Mund Jeremias – den Geist des Kyrus, des Königs von Persien, dass er in seinem ganzen Königreich mündlich und auch schriftlich verkünden ließ: So spricht Kyrus, der König von Persien: Der HERR, der Gott des Himmels, hat mir alle Königreiche der Erde gegeben und hat mir befohlen, ihm ein Haus zu bauen zu Jerusalem in Juda. Wer nun unter euch von seinem Volk ist, mit dem sei der HERR, sein Gott, und er ziehe hinauf.« (Zitat Bibel 2.Chr. 36,22-23 bzw. Esra 1,1-3)

Sein Name lebt

Übrigens unterhielten sich unsere Busfahrer über Namen, die sie ihren Söhnen geben wollten. Einer der zwei Favoriten war: Kyros (Kūroš ausgesprochen) – ein wahrhaft echter persischer Name. Der zweite Favorit soll hier nicht genannt werden…

Text: Thomas Penkazki

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