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Für ein Auslandssemester halte ich mich nun schon seit September in Shiraz auf. Aktuell befinde ich mich das fünfte Mal im Iran und lebe den Alltag einer Studentin. Während ich über Weihnachten 2 Wochen zuhause bei der Familie verbrachte, wurden diverse Städte im Iran von Unruhen und Protesten erschüttert. Besorgte Gesichter und Fragen verfolgten mich und meine baldigen Rückkehrpläne. Ob es eine gute Idee sei, jetzt zu fliegen? Ob das nicht gefährlich sei? Ob ich das wirklich machen möchte? Ja, nein und ja! Ungeachtet der apokalyptischen Schilderungen durch die Medien, begab ich mich auf eine weitere Iranreise. Mittlerweile ist mir klar, auf welche immer gleiche Weise der Iran im Ausland dämonisiert wird. Erstaunlich, dass ich noch nicht einen Reisenden getroffen habe, der nicht in den höchsten Tönen von seinen Erlebnissen im Land erzählte!

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Ist es gefährlich im Iran?

Die Frage der Sicherheit im Iran beschäftigt jeden Touristen, der mit der Idee liebäugelt, das Land der alten Perser zu erkunden. Während die Medien zuhause noch sturmlaufen, lande ich glücklich wieder in Shiraz. Statt Apokalypse erwartet mich die Stadt der Rosen und Nachtigallen mit ihrer üblichen Entspanntheit – von Protesten oder Unruhen ist nichts zu bemerken! Dennoch bin ich achtsamer und durchaus etwas aufgeregt, während die Shirazi weiter ihrem als eher gemütlich bekannten Alltag nachgehen. Ein erhöhtes Polizeiaufkommen an zwei Hauptverkehrsknotenpunkten ist das Einzige, was mir die ersten beiden Tage auffällt. Die Iraner, mit denen ich spreche, erklären die Unruhen zu diesem Zeitpunkt längst als beendet und ein Pärchen aus Norwegen erzählt, dass sie in Esfahan abends den großen Imam-Platz mit den Menschenansammlungen gemieden haben. Statt abendlicher Stadterkundung gab es dann eben einen Falafel neben dem Hotel.

Auf dem Bazar, in der Altstadt, an den touristischen Hotspots und auch in dem Vorort, in dem ich lebe, läuft das Leben wie gewohnt. Freunde und Bekannte erzählen, dass die Unruhen quasi keine Auswirkungen auf den Tourismus hatten; allgemein wird das Thema Proteste eher gemieden, wie ich bemerke. Die Leute wirken zurückhaltend und sind sich aber sicher, dass bald wieder Ruhe einkehren wird. Ein Mitstudent berichtet mir, dass sich die letzten Tage über nur am Abend Menschengruppen am vielbefahrenen Namazi Square in der Nähe der Uni eingefunden haben.

Weiterhin erfahre ich, dass deshalb der nahegelegene Eram-Garten schon um 16 Uhr schließt, bis die Lage sich wieder beruhigt hat. Laut meinem Bekannten könnte der von der Universität verwaltete Eram-Garten als Treffpunkt für demonstrationsfreudige Studenten dienen. Ein iranischer Bekannter, Hadi bemerkt dann noch augenzwinkernd, dass die Shirazi immer schon die Faulsten(!) und somit Letzten waren, was Demonstrationen oder gar Revolution angeht. Was mich dann aber wirklich überrascht: nicht einmal der dauer-wütende, allround-kritische junge Kurde, Foad aus meinem Bekanntenkreis ist auf die Straße gegangen! Ich habe das Gefühl, dass meine Freunde froh sind, wenn die Dinge friedlich bleiben.

 

Dinge, die man berücksichtigen sollte

Allgemeine Empfehlungen, sich beispielsweise von größeren Menschenansammlungen und Demonstrationen fernzuhalten, finden sich nicht nur bei den Reisehinweisen des Auswärtigen Amtes, sondern leuchten vermutlich jedem mehr oder weniger ein. Das Auswärtige Amt hat im Zuge der Unruhen nur ein paar Zeilen zusätzlich zu den bisher veröffentlichten, allgemeinen Sicherheits- und Reisehinweisen hinzugefügt, die genau das aufgreifen, was auch davor schon galt: das Vermeiden größerer Menschenansammlungen und die Diskretion beim Fotografieren. Diese Punkte finden sich derzeit nun doppelt auf der Webseite der offiziellen Behörde. Zudem wird der mögliche eingeschränkte Internetzugang erwähnt. Nüchtern betrachtet hat sich für Touristen nach Einschätzung des Auswärtigen Amtes also eigentlich nichts geändert.

Als Frau alleine im Iran

Ich werde oft gefragt: Wie ist es als Frau alleine im Iran zu reisen? Zwar lebe ich hier in Shiraz mit meinem Freund, bewege mich aber meistens alleine durch die Stadt und bin auch zwischenzeitlich alleine gereist. Ich nehme mir also heraus, über das Alleine-Reisen als Frau im Iran sprechen zu dürfen. Die Frage danach, ob es alleine als Frau im Iran gefährlich oder sicher ist, beantworte ich mit einem „sicher!“ So sicher wie anderswo auf der Welt. Auch hier gilt das Prinzip der Umsicht und Achtsamkeit, wobei man auf seinen Wegen durch den Iran sowieso immer überschüttet wird mit Hilfsbereitschaft und Fürsorge (manchmal ungewohnt und ungewollt viel! ). Man bleibt üblicherweise nie lange allein! Allerdings sollte Frau sich darüber im Klaren sein, dass manches Verhalten oder manche Gesprächsthemen (z. B. sexueller Natur) zu Missverständnissen führen können. So kann eine zu offene Unterhaltung über Beziehungen und Ehe auch als ein falsches Signal gedeutet werden, aber man lernt ja schnell.

Prinzipiell kann man als Frau bedenkenlos alleine durch den Iran reisen, auch mit Nachtbussen oder dem Nachtzug, wenn man beispielsweise Zeit sparen möchte. Ich meine, dass man am besten durch den Austausch mit Einheimischen sich sein eigenes Bild machen sollte, anstatt sich zum Beispiel von den letzten Schreckensmeldungen verunsichern oder von seinen Reiseplänen abbringen zu lassen. Der Iran gilt allgemein als ein stabiles und sicheres Land und manche behaupten gar, sie fühlten sich im Iran sicherer als in ihrem Heimatland. Die Iraner lieben Touristen und empfangen diese mit einer Herzlichkeit, wie sie anderswo wohl selten anzutreffen ist. Ich genieße es, wieder in Shiraz zu sein und sauge die ganz eigene Atmosphäre dieser ehrwürdigen Stadt dankbar in mich auf. Die Proteste und Unruhen im Allgemein hatten keine große Auswirkung auf mein Leben hier. Auf welche Weise sich die letzten Proteste im Land auswirken, kann keiner wissen. Wie eine Freundin Mina, schulterzuckend meinte: die Zukunft wird’s zeigen…

Text: Christina

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