„Und was isst sie dann bitte!

Der Hamburger-Verkäufer guckt den Hamburger an. Dann mich. Dann wieder den Hamburger. Wenn wir eine gemeinsame Sprache sprechen würden, dann würde er mich jetzt vermutlich fragen, ob ich von allen guten Geistern verlassen bin. Es ist 2010, ich bin im Iran, und ich habe gerade an der Imbissbude mit Händen und Füßen etwas bestellt, was mein Gegenüber offenbar nachhaltig schockiert: Einen „Hamburger“ ohne Fleisch.

„Bestellt“ im Sinne von: Immer, wenn der gute Mann die Bulette auf das Brötchen legen wollte, habe ich panisch mit beiden Handflächen in der Luft hin- und her gewedelt, um zu zeigen, dass mir das, was er da gerade drauflegen will, gar nicht gefällt. Jetzt hält er das Resultat mit Ketchup, Mayo, einem Gürkchen und einem Tomätchen in der Hand und will es mir partout nicht geben.

Mein Bus kommt gleich, es muss schnell gehen, ich habe Hunger, aber der Mann glaubt mir nicht, dass ich wirklich, wirklich keine Bulette haben will: Willkommen als Vegetarierin im Iran.

Unser Tipp: Wenn du dich für eine Reise in den Iran interessiert, schau dir mal unsere Gruppenreisen und Individualreisen an.

Noch immer ist der Iran eines der härtesten Länder für Menschen, die auf Fleisch verzichten. Argentinien? Viel Steak, aber auch viel Salat und Nudeln mit Käsesoße. Mongolei? Zumindest Kartoffeln und Reis sind immer eine Option.

Iran toppt sie alle. Versuche, fleischfrei satt zu werden, werden hier nicht selten mit mitleidigen Blicken und Sprüchen wie „Das arme Kind!“ oder „Was isst sie dann bitte!?“ quittiert.

Sechs Jahre nach der Hamburger-Erfahrung sitze ich in einem Café in Teheran. Eine iranische Freundin erzählt mir, dass ein entfernter Bekannter ihres Cousins Veganer sei. Statistiken über VegetarierInnen im Iran gibt es zwar keine. Aber glaubt man dem, was die Leute erzählen, ist ihre Zahl in den letzten Jahren beständig gewachsen. Trotzdem landet auch diesmal wieder versehentlich Fleisch auf meinem Teller. „Ist doch nur Hühnchen“, sagt der Kellner und räumt ab.

„Wir gönnen uns eben einfach mehr, wenn wir draußen Essen gehen“, beschwichtigt die Freundin und dreht Thunfisch-Spaghetti auf ihre Gabel. Weil Fleisch teuer ist, will es gegessen werden. Restaurants haben deswegen oft kein einziges vegetarisches Gericht auf der Karte.

Doch die Lage ist nicht aussichtslos. Die persische Küche ist so gut, dass auch Vegetarierinnen sie genießen können. Alles, was man braucht, sind ein paar Tricks:

6 Life Hacks für VegetarierInnen im Iran

Frage bei allem: „Gusht daré?“ („Ist da Fleisch drin?“). Ich wiederhole: Bei allem. Bei einem persischen Freund in Berlin aß ich einmal ein süßes Gericht, das nach Marzipan schmeckte. Als ich nach dem Rezept fragte, sagte er, dass es seine sämige Textur durch die feinen Fasern von Hühnchenfleisch bekommt.

Im Zweifelsfall nochmal sicher gehen und mit ernstem Blick „gusht ne-michoram“ sagen – „ich esse kein Fleisch“. Das „ch“ wie in „machen“ aussprechen.

Frage niemals: „Habt ihr was Vegetarisches?“. Das verwirrt und ängstigt Menschen auf der ganzen Welt, auch in Deutschland. Sie werden fast immer verneinen, weil „vegetarisch“ immer viel zu exotisch klingt. Lerne stattdessen die Namen der wenigen, aber fantastischen persischen vegetarischen Gerichte auswendig und frage direkt danach: Kuku Sabzi (Kräuter-Frittata), Kashk-o Bademjun (Auberginen und eine Art Quark), Mirza Ghassemi (Aubergine, Ei, Tomate und Knoblauch). Du wirst sie lieben.

Pizza geht immer: Weil sie immer frisch belegt wird, kann man überall fleischfreie „Pizza Margharita“ oder „Pizza Sabzi“ (Gemüse) bestellen. Wer total iranisch sein will, isst sie mit Ketchup und Mayo. Vor dem Bestellen im Zweifelsfall nochmal Regel Nr. 2 anwenden.

Vegetarische Falafel-Sandwich-Läden sind zahlreicher geworden im Iran. Wem das Brot auf Dauer zu pappig schmeckt: Einfach einen Teller nehmen und lecker Falafel mit Salat essen.

Wenn all das nichts hilft: Suche eines der vielen Hipster-Cafés auf (besonders zahlreich in Teheran). Dort findest du immer einen tollen vegetarischen Salat, jemanden der Englisch spricht – und vielleicht sogar ein paar iranische VegetarierInnen, mit denen du dich verbünden kannst.

Nush-e Djan!

Text: Luisa

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